Online Hilfe finden
„Ich finde eure Beiträge hier teilweise wirklich berührend. In mir wecken eure Worte Sehnsucht. Sehnsucht nach einer innigen Freundschaft. (…) Ich habe keine Freunde in der realen Welt. Nur Bekannte. (…) Ohne die virtuelle Welt wäre ich ziemlich einsam. Hier kann ich meine Angststörung weitestgehend ablegen. Ich bin dankbar einen Ort wie diesen zu haben, wo ich zeigen kann und darf wer ich bin. (…) Wo ich der Mensch sein darf, den im realen Leben niemand sieht.“
Das hat Silbermond in einem bke-Forum geschrieben. Und das klingt ziemlich gut. Also, schauen wir uns das Angebot der bke Online Beratung doch mal genauer an!
Monika
Während aROund-Redakteurin Melina sich auf der bke-Seite registriert, um das Angebot als junge Erwachsene zu testen, hat sich Anne mit Monika Stumpf zum Interview verabredet. Sie arbeitet in Rosenheim bei der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle der Caritas. Monika sie ist eine der deutschlandweit 100 Therapeut*innen, die sich zusammengeschlossen haben, um Jugendlichen zu helfen – online, anonym und kostenlos.
Online arbeitet Monika unter einem Pseudonym. Wie das heißt, wollte sie mir nicht verraten. Sonst wäre sie ja nicht mehr anonym. Denn dadurch dass bei der bke sowohl die User*innen als auch die Berater*innen unter einem Pseudonym schreiben, würde man es auch dann nicht merken, wenn beide zufällig im selben Ort leben.
Gleich vorneweg:
Wenn du Monika sympatisch findest, kannst du auch einen persönlichen Termin vor Ort in Rosenheim mit ihr vereinbaren. Du könntest mit unterdrückter Nummer bei ihr in der Arbeit anrufen und dich mit ihr verabreden: 08031- 203740. Sie berät junge Menschen mit allen denkbaren Problemen und hilft ihnen, einen guten Weg zu finden.
Monika Stumpf – Caritas Rosenheim
Drei Wege
Hallo Monika. Du hast dich an aROund gewandt, weil du die bke Online Jugendberatung vorstellen möchtest.
Ja, das ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit. Das Angebot ist nämlich so toll, dass es mir manchmal richtig weh tut, dass es nicht alle kennen. bke steht eigentlich für Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Aber die Webseite der Jugendberatung ist nur für Jugendliche von 14 bis 21 Jahren. Eltern haben da nichts verloren.
Wie funktioniert die Webseite?
Wir haben drei verschiedene Angebote, wie man mit uns in Kontakt treten kann: E-Mail, Chats und Foren. In die Foren kann man auch ohne Log-in reinlesen. Dann bekommt man vielleicht schonmal eine Idee, wie die bke-Berater*innen so auf Fragen eingehen.
Um selbst Fragen stellen zu können, muss man sich registrieren. Dafür braucht man eine E-Mail-Adresse, die wird aber nie irgendwo ausgelesen. Man sucht sich einen Nickname, also ein Pseudonym aus, unter dem man ab da schreibt. Und wir sind alle per du miteinander.
E-Mail, Chat oder Forum – was ist denn für was gut?
Die Foren sind rum um die Uhr geöffnet. Es gibt Foren zu ganz bestimmten Themen: Freundschaft, Familie, Einsamkeit, Alkohol, usw. Die sind immer von einem oder einer bke-Kolleg*in moderiert. Aber hier bekommt man auch mal Rat von anderen Jugendlichen, die vielleicht etwas ähnliches erleben oder erlebt haben.
Die Chats finden zu bestimmten Zeiten statt. Die Termine stehen auf der Webseite. Es gibt Gruppen- und Einzelchats. Man kann also auch anonym in ein 1 zu 1 Gespräch mit einem oder einer Therapeutin gehen. Das ist quasi wie eine Sprechstunde. So ein Chat eignen sich, wenn man Rat sucht, aber nicht genau weiß, wo man anfangen soll.
In Gruppenchats geht es teils um bestimmte Themen, es gibt z.B. einen für Fragen an eine Gynäkologin. Es müssen auch nicht immer Probleme besprochen werden! Wir bieten auch sowas wie Kreatives Schreiben an und haben geteilte Playlisten bei Spotify.
Wer eine ganz konkrete Frage hat, kann auch eine E-Mail schreiben. Die kommt über das System bei den bke-Leuten an, ohne dass sie die private E-Mail-Adresse sehen. Die erste Antwort kommt garantiert innerhalb von 48 Stunden. Wenn man danach weiter mit der beratenden Person in Kontakt bleiben will, geht das natürlich, aber es kann dann auch mal ein paar Tage länger dauern, bis man wieder etwas von ihr hört.
Unbegrenzte Themen
Welche Probleme kann man ansprechen?
Wirklich alle. Da gibt es erstmal keine Grenzen. Wir unterliegen auch der Schweigepflicht. Wenn mir z.B. jemand erzählt, dass er oder sie mit Drogen dealt, dann berate ich die Person natürlich trotzdem und gebe keine Infos weiter.
Oft testen die Jugendlichen einen mit einer ersten Frage, die gar nicht so relevant ist. Das ist vollkommen okay.
So kann man ein Gefühl dafür bekommen, ob man sich weiter öffnen will. Manche Jugendliche melden sich nur en einziges Mal mit einer konkreten Frage. Mit anderen bin ich über Jahre im Kontakt.
Welche Beratungen sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Ein Kontakt hat mal mit einem ganz normalen Schulthema begonnen. Mit der Zeit aber stellte sich heraus, dass es da auch familiäre Probleme gab. Am Ende ist das Mädchen zusammen mit seiner Schwester zum Jugendamt gegangen und die beiden haben die Familie verlassen, weil die häusliche Situation mit Missbrauch verbunden und einfach nicht mehr gut für sie war.
Ich durfte auch mal ein Transmädchen bei ihrem Outing begleiten. Tatsächlich war ich die erste Person, der sie sich anvertraut hatte. Gemeinsam haben wir dann überlegt, wann sie wem davon erzählt – Familien, Freunden, Ärzten.
Manche jungen Leute haben aber auch einfach nur Stress mit den Freunden und wünschen sich jemanden, der zuhört und vielleicht Feedback gibt. Die bke ist dann ein bisschen wie ein Tagebuch, das sogar antwortet.
Klingt gut! Vielen Dank, dass du bei aROund davon erzählt hast.
Melinas Check
Ich habe die E-Mail Beratung der bke getestet. Zuerst musste ich mich auf der Seite registrieren. Dabei habe ich mir einen Nickname ausgesucht, der eigentlich alles sein kann. Das hilft, um bei der Beratung anonym zu bleiben. Außerdem gibt man Geburtsdatum, Geschlecht, Wohnsituation und E-Mail-Adresse an und legt ein Passwort fest. Ich wollte die Beratung mit einer fiktiven Situation aus der Schule testen. Nachdem man den Account angelegt und durch einen Link, der per Email kommt, aktiviert hat, kann es losgehen.
Bei der Mail Beratung gibt man dann in das Betreff-Feld ein, worum es geht (wie bei einer Email), und kann das Problem dann im Text-Feld genauer beschreiben. Außerdem kann man das Geschlecht der beratenden Person wählen, wenn man sich mit einem bestimmten Geschlecht wohler fühlen sollte!
Es wird versprochen, dass man auf diese erste Anfrage innerhalb von 48 Stunden eine Antwort bekommt (unter der Woche).
Ich habe ein Szenario beschrieben, das leider viele junge Menschen betrifft, nämlich Mobbing in der Schule. Die Antwort kam nach etwas mehr als 24 Stunden. Meine Beraterin hat dieses Problem sehr ernst genommen, mich noch einige Dinge zu der Sache gefragt und mir auch schon weitere Vorgehensweisen vorgeschlagen. Sie hat aber auch geschrieben, dass sie, wenn ich weitere Fragen hätte, üblicherweise einmal pro Woche antwortet. Für mich war das jetzt kein Problem, aber bei einem echten und ernsthaften Problem könnte das schon ein Nachteil sein.
Und ich fand es auch anfangs nicht ganz einfach, mich auf der Seite zurechtzufinden, da die einzelnen Beratungsangebote teils nicht so genau erklärt werden.
Insgesamt finde ich das Angebot aber sehr gut, da man sich schnell, anonym und unkompliziert Hilfe holen kann. Vor allem wenn man sich nicht traut, persönlich mit jemandem über seine Probleme zu sprechen. Ich finde sehr gut, dass man wirklich ernst genommen wird und auch recht schnell mit einem Berater in Kontakt gebracht wird.