Einsamkeit
Foto: Anne
Einsamkeit ist ein Gefühl und es ist nicht das selbe wie allein sein. Jemand, der allein ist, kann sich sehr wohl fühlen, wenn er sich das so ausgesucht hat. Und jemand, der zum Beispiel in der Schule täglich vielen Menschen begegnet, kann sehr einsam sein, wenn er sich ausgeschlossen oder unverstanden fühlt.
Fakt ist aber, dass es Menschen, die sich einsam fühlen, schlecht geht. Einsamkeit kann psychische und körperliche Erkrankungen zur Folge haben. Aber wer erkennt, dass er sich einsam fühlt, kann etwas dagegen unternehmen! Man kann sich Hilfe holen oder selbst anderen Betroffenen helfen.
Es lohnt sich, nicht wegzusehen und das Problem mit der Einsamkeit ernst zu nehmen. Deshalb haben wir in diesem LIFE HACK ein paar Informationen für dich zusammengestellt.
Was zählt als Einsamkeit?
Einsamkeit lässt sich nicht messen, denn jeder Mensch fühlt sie unter anderen Umständen. Sie ist die Lücke zwischen erwünschten und tatsächlich vorhandenen Beziehungen zu anderen Menschen.
Zwei Personen in der selben Situation können sich sehr unterschiedlich fühlen. Deshalb kann man auch nicht sagen, dass jemand nicht einsam sein könne, weil er mit einer Gruppe von Leuten unterwegs ist oder in einem Verein mitmacht. Man sollte also auch nicht vorschnell über andere urteilen, nur weil man denkt, dass der andere übertreibt.
Erst seit wenigen Jahren ist Einsamkeit in unserer Gesellschaft kein Tabu-Thema mehr. Auch die Politik und die Krankenkassen schauen jetzt hin, denn die gefühlte Einsamkeit in Deutschland hat zugenommen.
Eine Frage, die aber niemand so richtig beantworten kann ist: Fühlen sich die Menschen einsamer, weil sie weniger zwischenmenschliche Kontakte haben als früher oder fühlen sie sich einsamer, weil sie sich mehr Kontakte wünschen als das noch vor ein paar Jahren der Fall war?
Wer ist einsam und wer nicht?
Einsamkeit betrifft nicht nur alte Leute, deren Freunde und Verwandte vielleicht schon gestorben sind, kranke Menschen, die das Haus nicht mehr verlassen können oder Migranten, die die Sprache noch nicht gut verstehen.
Im Jugendalter gibt es einen Tiefpunkt, wenn man sich nicht mehr einfach mit den Kindern aus der Nachbarschaft zufrieden gibt, sondern auch die eigenen Ansprüche an Freundschaften steigen. Man wünscht sich Freund*innen, die einen verstehen und ernst nehmen, die vielleicht ähnliche Interessen haben.
Es sind übrigens mehr Mädchen und Frauen, die zugeben, dass sie sich einsam fühlen.
Wichtig ist nicht nur, wieviele Kontakte man hat, sondern auch wie gut eine Freundschaft ist. Ob sie auch mal einen Steit verkraftet und über viele Jahre hält. Oft reicht dann schon eine gute Freundschaft aus, um sich nicht einsam zu fühlen.
Von Einsamkeit spricht man erst, wenn das Gefühl über einen längeren Zeitraum andauert und es einem schlecht damit geht. Denn für einen Moment einsam fühlt sich wirklich jeder mal.
Wie entsteht Einsamkeit?
Menschen sind nicht gerne allein. Bindung ist evolutionsbedingt ein menschliches Grundbedürfnis. Wer früher nicht alleine war, hatte bessere Überlebens-Chancen.
Ausgeschlossen zu werden, kann sehr schmerzhaft sein. Viele machen diese Erfahrung durch Mobbing, zum Beispiel in der Schule. Und so verquer das klingt: die, die andere mobben, tun dies manchmal genau deshalb, weil sie selbst einer Gruppe angehören wollen, um sich stark und sicher zu fühlen.
Zu Mobbing-Opfern werden meist die Menschen, die ein bisschen anders sind, zum Beispiel weil sie (aus einem anderen Land) hergezogen sind, eine andere Hautfarbe haben, an eine andere Religion glauben oder eine Krankheit oder Behinderung haben.
Auch wenn man nicht aktiv gemobbt wird, kann man sich einsam fühlen, weil man sich von den anderen nicht verstanden fühlt. In der Pubertät fühlen sich viele Jugendliche zumindest eine Zeit lang so.
Manche neurodivergenten Personen, wie Autisten, berichten sogar, dass sie sich wie Außerirdische auf einem fremden Planeten fühlen.
Man kann sich auch einsam fühlen, wenn man denkt, dass andere ein viel spannenderes Leben führen, weil sie ständig ausgehen, verreisen, tolle Leute treffen und viel erleben.
Vor allem bei Social Media kann so ein – meist falscher – Eindruck schnell entstehen!
Wer auf Social Media Kanälen unterwegs ist, sollte sich immer wieder bewusst machen, dass die Menschen natürlich nur das posten, was bei ihnen gerade gut läuft.
Wenn ich 50 Kontakte habe, von denen aktuell 4 Urlaubs-Fotos posten, dann bekomme ich das Gefühl, dass einfach alle im Urlaub sind, nur ich nicht. Tatsächlich hocken die anderen 46 aber vielleicht gerade genauso zu Hause wie ich und schauen auch neidisch in ihre Handys. Nur habe ich die nicht auf dem Schirm. So entsteht ein verzerrtes Bild, das mich obendrein unglücklich macht.
Es ist also wichtig, das Handy auch mal wegzulegen und sich im realen Leben umzuschauen, um sich ein besseres Bild der Wirklichkeit machen zu können.
Ist Social Media Schuld?
Nicht Social Media ist Schuld an Einsamkeit, sondern die Art und Weise wie man es nutzt! Schließlich kann man über Social Media ja auch sehr gut Kontakte halten oder Verabredungen treffen.
Man unterscheidet deshalb 2 Typen:
Positiv ist die aktive Nutung: sich mit Freunden vernetzen und austauschen.
Negativ ist die passive Nutzung: ohne Ziel über die ForYou Page scrollen und binge watchen.
Einen entscheidenen Unterschied macht es dabei auch, ob man die Menschen, denen man online folgt, auch im realen Leben kennt!
Wenn ich meine Online Kontakte auch ab und zu im realen Leben treffe und mit ihnen befreundet bin, dann kann Social Media unsere Freundschaft unterstützen. Wenn ich die Menschen aber nur online kenne (oder zu kennen glaube), dann kann Social Media einen negativen Einfluss auf mich haben.
Ein gutes Beispiel dafür ist, dass man bei Social Media schnell das Gefühl bekommt, dass alle anderen ein besseres Leben führen als man selbst. Weil man selbst nicht Teil davon ist, fühlt man sich ausgeschlossen und einsam.
Social Media verzerrt das Bild der Wirklichkeit, weil ich nur das sehe, was andere posten und das ist in der Regel nur beneidenswerter Content. Dass Leute einen schlechten Tag haben, an sich zweifeln oder nicht top gestylt aussehen, findet online kaum statt. Es existiert safe, aber ich im Handy sehe ich es nicht.
Einsamkeit macht krank
Krank sein kann einsam machen und Einsamkeit kann einen krank machen!
Einsamkeit kann psychische und körperliche Schmerzen zur Folge haben. Der seelische Schmerz kann zu depressiver Stimmung, Ängsten und Antriebslosigkeit führen. Das kann der Anfang für einen gefährlichen Teufelskreis sein! Denn wer Angst hat oder sich nicht dazu aufraffen kann, das Haus zu verlassen, der zieht sich zurück und wird noch einsamer.
Die Verzweiflung darüber, nicht aus der Einsamkeit herauszukommen kann auch pessimistisch und sogar aggressiv machen.
Wenn man nach Alternativen für zwischenmenschliche Kontakte sucht, steigt die Gefahr für ein Suchtverhalten. Man kann verschiedene Süchte entwickeln, wie von Alkohol, Nikotin, Drogen, Medikamenten oder auch Medien und Gaming.
Der ganze Stress führt nicht selten zu schlechtem Schlaf und der Schlafmangel dann zu körperlichen Symptomen, wie Kopfschmerzen. Spätestens jetzt fühlt man sich nicht mehr in der Lage, zur Schule oder in die Arbeit zu gehen.
Unzufriedene Menschen melden sich nicht nur häufger krank, sie fühlen sich auch häufiger krank.
Was tun gegen Einsamkeit?
Der erste Schritt ist immer, dass du dir bewusst machst, wie du dich fühlst. Fühlst du dich oft oder dauerhaft einsam und belastet dich dieses Gefühl, dann ist es wichtig, sich das einzugestehen.
Dies ist ein guter Moment, sich kostenlos professionelle Hilfe zu holen, zum Beispiel bei einem Beratungsgespräch, das der Schweigepflicht unterliegt. Empfehlenswerte Kontakte dazu findest du am Ende dieses LifeHacks.
Du kannst auch selbst gegen die Einsamkeit ankämpfen und folgende Punkte angehen:
Informiere dich, welche Möglichkeiten für Treffpunkte und Beteiligung es in deiner Gegend gibt. Das können zum Beispiel Vereine oder VHS-Angebote sein. Sport machen führt sogar gleich auf mehreren Ebenen dazu, dass du dich schnell besser fühlst!
Auch Jugendtreffs sind eine gute Anlaufstelle, weil da geschulte Fachleute arbeiten, die einem helfen können, anzudocken und mit anderen in Kontakt zu kommen.
Fast alle Vereine und Gruppen freuen sich über Neugierige, die mal reinschnuppern wollen!
Ein super Trick ist auch, sich ehrenamtlich zu engagieren und anderen zu helfen, zum Beispiel bei der Tafel oder im Weltladen. Frage in deinem Rathaus, wer dir einen Überblick über die Angebote vor Ort geben kann.
Das Gefühl, anderen zu helfen, hat sehr positive Auswirkungen auf deine eigene mentale Stabilität!
All diese Dinge steigern dein Selbstwertgefühl und das macht dich stark gegen Einsamkeit.
Ach ja, und: leg das Handy regelmäßig auch mal weg, denn es ist ein fieser Multiplikator. Das Internet verstärkt meist das Gefühl, in dem du eh schon unterwegs bist. Schuld daran ist die Filter Bubble, die dir von Suchmaschinen und Social Media Algorithmen aufgezwungen wird. Sie wirkt wie ein Katalysator: Wenn du dich einsam fühlst und so ziellos durchs World Wide Web surfst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du dich hinterher noch einsamer fühlst.
Wenn du aber ein konkretes Ziel hast, wie Angebote vor Ort zu recherchieren, dann kann das Internet natürlich auch eine sehr hilfreiches Tool sein!
Wenn dir jemand anvertraut, dass er sich einsam fühlt, dann ist das für diejenige Person bestimmt ein großer Schritt gewesen, dir davon zu erzählen. Selbst wenn es für dich absurd klingen sollte, wisch es nicht mit einem Spruch wie „ach quatsch, du doch nicht“ weg, sondern frage nach und zeige Verständnis.
Du kannst von diesem LifeHack erzählen, gemeinsam mit der Person raus gehen, Sport machen, etwas unternehmen. Und du kannst ihr anbieten, zusammen eine Beratungsstelle zu kontaktieren. Das geht nicht nur telefonisch, sondern auch in gesicherten Chat-Foren, die von Profis begleitet werden.
Jeder Mensch hat mal sensiblere Zeiten, in denen er sich nicht so stark fühlt und besonders angreifbar ist. Durch diese Zeiten können wir uns gegenseitig helfen!
Wenn du dich über einen längeren Zeitraum einsam fühlst und merkst, dass es dir damit nicht gut geht, dann hol dir Hilfe!
Ob im Internet, per Telefon oder vor Ort gibt es Beratungsstellen, die schon vielen Menschen geholfen haben.
Ein erstes Gespräch ist immer kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.
Infos & Kontakt
Unterstützung findest du zum Beispiel bei der Caritas Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle Rosenheim und deren Außenstellen in Brannenburg, Bruckmühl, Prien und Wasserburg.
Auf der Webseite der Jugendberatung bke gibt es einen Gruppenchat zum Thema Einsamkeit.
Auch die Nummer gegen Kummer und die TelefonSeelsorge kann man nicht nur anrufen, sondern auch online anschreiben.
Podcast
Der Podcast „Hallo Welt hier Rosenheim“ hat zum Thema Einsamkeit mit der Psychotherapeutin Verena Engert gesprochen. Sie berichtet aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen über die Erfahrungen und den Umgang mit Einsamkeit.
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